Der Sturz in die Freiheit

Am 9. April 2003 wurde die Statue des irakischen Diktators Saddam Hussein vom Sockel gestürzt. Das geschah in einer besonders medienwirksamen Art und Weise und wurde deshalb auch von zahlreichen internationalen Kameras begleitet. Die nach 1945 neue und seit 1989 am liebsten alleinige Großmacht USA ließ ihre Soldaten dem Abbild Husseins eine Schlinge um den Hals legen (wie die Welt weiß: später geschah das auch mit dem Original) und verhüllte seinen Kopf mit der amerikanischen Flagge. Etwas zuviel der fremden Symbolik, wurde diese aber noch vor dem Sturz des Standbilds durch eine irakische ersetzt. Ein Fahrzeug der Marines sorgte dann für den nötigen Nachdruck, und das Symbol der vergangenen Herrschaft stürzte in den Staub.
Die Invasion der USA brachte dem irakischen Volk im Anschluß selbstlos Liebe, Frieden und Demokratie. Und damit diese Segnungen der westlichen Welt auch richtig im Land ankommen, sorgen nach ND-Angaben vom 9. April dieses Jahres heute immer noch 50 000 US-Soldaten und etwa 100 000 Angestellte privater Sicherheitsfirmen für deren Verankerung. Die US-amerikanische Nase wird immer goldener angesichts ihrer Aufgabe der Ermöglichung und Verteidigung von wirtschaftlichen Unternehmungen bisher nicht gekannten Ausmaßes, und so ein Ölbad soll auch sehr heilsam sein bei allen Arten finanzieller Wehwechen. Neu sind auch weitere demokratische Strukturen wie die Abschottung ganzer Stadtteile Bagdads voneinander und ihre Umgestaltung zu Hochsicherheitstrakten aus Angst vor Anschlägen. Sauberes Wasser und gesunde Nahrungsmittel sind mittlerweile Mangelware, aber wenn man dafür nunmehr ein freies Land ist, sollte das nicht ins Gewicht fallen. Strom gibt es selten, in Krankenhäusern muss man sich anders behelfen. Vielleicht wird ja so die postulierte Kreativität in der Marktwirtschaft gefördert. Aufgrund des Einsatzes demokratischer Waffen mit abgereichertem Uran während der Belagerung von Bagdad im Jahr 2004 weisen 25 Prozent der Neugeborenen Abnormalitäten auf. Spätestens hier kann man erkennen, wie die Menschen sich ändern, wenn sie mit solchen Mitteln von ihrem menschenverachtenden Diktator befreit werden.

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Das „Flüstern und Schreien“ „Unsere(r) Kinder“ – Eine Erinnerung

Der Film „Flüstern und Schreien – Ein Rockreport“ war 1988 in der DDR etwas Besonderes. Jedenfalls für diejenigen Jugendlichen, welche Rebellion im Blut und die Neubestimmung von Konstellationen zum Ziel hatten. Er zeigte erstmals relativ unverblümt und objektiv, was in der DDR an musikalischer und jugendlicher Subkultur in den 80er Jahren möglich war. Viele erkannten sich hier wieder und fanden sich und ihre Generation authentisch dargestellt. Daran knüpfte der Dokumentarfilm „Unsere Kinder – Jugend- und Protestkultur in der DDR“ von 1989 an. Beide Filme unterstützen Erinnerung. Sie sind ehrliche Versuche, jungen Menschen gerecht zu werden, die sich auflehnen, sich ausprobieren, Grenzen einreißen, anders sein wollen. Und die etwas einforderten, für das sie viel gegeben hätten: Ehrlichkeit, Authentizität, Einheit von Worten und Taten, Denken und Tun. Als Person anerkannt und gebraucht werden. Im Widerspruch reifen. Das Selbst entdecken und sich in ehrlicher Gemeinschaft verwirklichen dürfen. Das war damals schwierig. Und ist heute nicht leichter. Damals war ihre Zeit. Damals war meine Zeit. Das war damals, gerade noch so, in dem Land, in dem ich geboren bin. Und das hat nicht aufgehört – nach der Wende.

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Zum Kindertag

Fällt ein Baum zu Boden
Ist das nicht schlimm
Sagen die Großen
Bäume gibt’s viele.

Fällt aus dem Nest ein Vogel
Ist das nicht schlimm
Sagen die Großen
Vögel gibt’s viele.

Weint ein Kind am Abend
Ist das nicht schlimm
Sagen die Großen
Tränen gibt’s viele.

Ist zerkratzt ein Auto
Dann ist das schlimm
Sagen die Großen
Autos muss man pflegen.

Geht ein Kind verloren
In einem Kind
Merken das nicht viele
Wohl, weil sie groß sind.

Geht ein Kind verloren
In einem Kind
Trauern drum die Bäume
Weinen die Vögel.

Gerhard Schöne

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1. Mai bei Anne Will

Nachfolgende Zitate stammen aus der Sendung „Anne Will“ vom 01. Mai 2011 mit dem Titel: „Malochen lohnt nicht – Was ist das für ein Tag der Arbeit?“

Gesine Schwan:

„Also wenn wir sehen, dass vier Fünftel der deutschen Gesellschaft sagen, es ist immer ungerechter, und diese Ungerechtigkeit lässt sich nicht mehr rechtfertigen, und ein Fünftel sagt, wir finden gar kein Problem, dann ist in diesem Verhältnis zwischen diesen vier Fünftel und diesem ein Fünftel derer, die auch nämlich sehr viele Entscheidungspositionen haben, eine große Gefahr.“

„Dass durch die ökonomische Globalisierung, durch die bewusste, auch politisch gewollte, Deregulierung und auch Flexibilisierung sehr viel an neuen Problemen entstanden ist, das wissen wir jetzt. Worauf es ankommt, ist, dass wir ordnungspolitisch Konsequenzen ziehen.“

Norbert Blüm:

„Der Tanz um das Goldene Kalb Geld wird eventuell nicht nur die Wirtschaft ruinieren. Das wird die Kultur ruinieren.“

„Die Menschen ziehen hinter den Arbeitsplätzen hinterher wie die Vögel hinter der Sonne. Und das kann nicht die Lösung sein. Wir verlieren Heimat, Nachbarschaft, all das, was zum Leben wichtig ist.“

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Gezielte Ansprache

Man kann sich vorstellen, dass der Mensch als Adressat der Massenmedien aus verschiedenen, hierarchisch gegliederten, geistigen und emotionalen Regionen aufgebaut ist, die pyramidenförmig aufstreben. Es ist nun einfacher, die unteren, breiten Regionen anzusprechen, um in Umsatz messbares Interesse zu erzielen, als die höheren schmaleren Regionen. Deren Aktivierung würde zudem eine Gefahr bergen. Der so Angesprochene könnte durch die Nutzung seiner höheren Regionen die Fragwürdigkeit der niederen Angebote erkennen. Den dadurch möglichen finanziellen Verlust würde die Medienwirtschaft nur schwer verkraften. Eine höhere geistige und emotionale Tätigkeit könnte im Übrigen sogar zum Wunsch nach Veränderung führen. Das kann nicht im Sinne unserer parlamentarischen Demokratie sein.

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Der Vertrag von Lissabon

Die Bedeutung des Vertrages:

Neoliberalismus – Privatisierung – Finanzdiktatur

Beispiele aus dem Vertragswerk:

„Der Vertrag von Lissabon sorgt für eine Beendigung des in Deutschland geltenden Funktionsvorbehalts (Art. 33 Abs. 4 GG).
Öffentliche Aufgaben (Gerichtsbarkeit, Polizei, Verwaltung etc.) werden in die Hände privater Unternehmen gelangen und folgen somit den menschenverachtenden Regeln der Profitmaximierung.
Aus der Niederlassungsfreiheit leitet der Gerichtshof der EU das Recht der Unternehmen ab, in der Rechtsform ihres Herkunftslandes in allen Mitgliedstaaten tätig werden zu dürfen (französische societé anonyme, britische limited company etc.).
Die Folge ist, dass jedenfalls der deutschen Unternehmermitbestimmung für die die deutschen Gewerkschaften lange und hart gekämpft haben, der Todesstoß versetzt wird. Das wird eine gravierende Verschlechterung unserer Arbeitsbedingungen zur Folge haben.

Die Grundrechtecharte des Vertrags ermöglicht entgegen der durch das Menschenwürdeprinzip gebotenen Abschaffung der Todesstrafe (Art. 102 GG) die Wiedereinführung der Todesstrafe im Kriegsfall oder bei unmittelbar drohender Kriegsgefahr, aber auch die Tötung von Menschen, um einen Aufstand oder einen Aufruhr niederzuschlagen.

Durch den Vertrag von Lissabon werden die militärischen Belange der Mitgliedstaaten zentralisiert in der Europäischen Verteidigungsagentur verwaltet. Im Vertrag wird eine Verpflichtung zur militärischen Aufrüstung der Mitglieder per Gesetz vorgeschrieben (Art. I-41 Abs.3 Unterabs. 2 VV). Die EU ermächtigt sich außerdem, Angriffskriege gegen Drittländer zu führen (Art. III-309 Abs. 1 S.2 VV).“

Dank an den Verfasser für diese Zusammenstellung.

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Fehler des Sozialismus in der DDR

zu geringe Beachtung der im Volk gewachsenen Traditionen und Mentalitäten, Bindungen, Handlungs- und Verhaltensweisen
Übertragungn der politischen und gesellschaftlichen Praxis der Sowjetunion auf Deutschland, obwohl hier ganz andere Bedingungen herrschten
zu geringe Einbindung des Bürgertums
Einrichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung undiplomatisch und von oben nach unten
Fehlen volksdemokratischer Elemente auf Entscheidungsebene (Volksbegehren, Volksinitiative etc.)
übergroße Zentralisierung, damit einhergehende Mißachtung der Eigeninitiative
Unterordnung politischer und gesellschaftlicher Fragen unter die Parteidoktrin („Die Partei hat immer recht!“)
Mangelnde Kritikfähigkeit der Partei- und Staatsührung
Verweigerung, den Sozialismus regelmäßig realen Gegebenheiten anzupassen, Verweigerung von Reformen
bei der Förderung Einzelner zu oft Vorrang der politischen Ergebenheit vor der persönlichen Leistungsfähigkeit
Unehrlichkeit gegenüber dem Volk hinsichtlich des erreichbaren Konsumstandards – damit Verschenken der Chance weitgehender Authentizität
Fehler in der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenarbeit mit den anderen sozialistischen, aber auch kapitalistischen Staaten
„Sich-in-die-Tasche-Lügen“ bei Fragen der Planerfüllung – wichtigster Grund des Zusammenbruchs und Untergangs der DDR
zu große und unnötige Angst vor dem Westen einerseits und der UdSSR andererseits
„Das Auge siegt mit!“ – zu wenig Beachtung der Konzeption eines „Sozialismus mit attraktivem Antlitz“
zu geringe Fähigkeit, das Volk dauerhaft gefühlsmäßig in den Staat einzubinden

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Erkenntnisse der Zwillingsforschung

INTELLIGENZ:
„Ob der menschliche Intellekt angeboren ist oder durch äußere Einflüsse bestimmt wird, war lange eine der kontroversesten Fragen der Forschung. Inzwischen gilt es als gesichert, dass in modernen industrialisierten Gesellschaften etwa 75 Prozent der Intelligenz durch genetische Faktoren bestimmt werden. Dass ein Charakterzug stark erblich bedingt ist, bedeutet allerdings nicht, dass die Umwelt keine Rolle mehr spielt. Sogar bei einer sehr stark von den Genen bestimmten Eigenschaft wie der Körpergröße können äußere Umstände wie gute oder schlechte Ernährung einen erheblichen Unterschied ausmachen … Ein interessantes Ergebnis der Zwillingsforschung ist, dass der erbliche einfluss auf die Intelligenz im Laufe des Lebens zunimmt: In der frühen Kindheit spielt die genetische Ausstattung noch keine sehr große Rolle für die Intelligenz. Wenn das Kind aber zum Jugendlichen und zum Erwachsenen heranwächst, wirken sich die Gene nach und nach immer stärker aus.“

Es ist also durchaus von Interesse, welche Vorfahren wir haben und wo und wie wir aufwachsen. Das kann einige Überlegungen nach sich ziehen.

RISIKOFREUDE:
„Viele Experten halten diesen Charakterzug für einen der bestimmenden Faktoren des menschlichen Verhaltens. Unter anderem wird auch die Anfälligkeit für Sucht damit in Verbindung gebracht. Risikofreude setzt sich aus mehreren Merkmalen zusammen, die gemeinsam beeinflussen, wie stark der Charakterzug bei einem Menschen ausgeprägt ist. Dazu gehört die Faszination für Neues, für Nervenkitzel und Abenteuer ebenso wie die Empfänglichkeit für Langeweile und Enthemmung.“
Gut möglich ist ein ähnlicher Effekt wie bei der Intelligenz: „Je älter die Menschen, desto größer der genetische Effekt auf die Risikofreude“.

Risikofreude kann auch mit Mut und Kampfgeist zusammenhängen. Das würde bedeuten, dass die Grundlagen dafür besonders im frühen Alter durch Erziehung gelegt werden können.

RELIGIOSITÄT:
Studien mit erwachsenen Teilnehmern haben zunächst ergeben, dass es sich bei Religiosität um einen Teil der Persönlichkeit handelt, den man abgetrennt von den klassischen Persönlichkeitsmerkmalen wie etwa Risikofreude betrachten muss.“
Der Einfluss der Gene auf die Religiosität „bewegt sich im gleichen Bereich wie bei klassischen Charakterzügen … Die Konfession hängt fast vollständig vom familiären Umfeld und der Sozialisation ab.“
Allerdings: „Wer genetisch sehr religiös veranlagt ist, entscheidet sich bei freier Wahl wahrscheinlich für eine strenggläubige Konfession“.

Grundsätzlich ist bei jedem Menschen Religiosität genetisch veranlagt und somit ein Bedürfnis. Das zu ignorieren bedeutet, einen Teil des menschlichen Wesens zu unterdrücken.

AGGRESSIVITÄT:
„Man muss nur in die Zeitung schauen, um zu erkennen, dass Aggressivität einer der grundlegenden Charakterzüge des Menschen ist. Weil Psychologen das aber ungern laut sagen, haben sie das gegenteilige Merkmal untersucht: Gutmütigkeit. Und sie stellten fest: 41 Prozent der unterschiedlichen Ausprägungen von Gutmütigkeit sind genetisch bedingt.“

Offenbar scheut sich die Gesellschaft, den Realitäten ins Auge zu sehen. Dabei kommt es nur darauf an, die menschliche Aggressivität zu kanalisieren und zu nutzen, nicht aber darauf, sie wegzudiskutieren.

HUMOR:
„Humor zu haben ist ein wichtiges psychologisches Merkmal. Humor ist aber äußerst schwierig zu messen – schon allein deshalb, weil wir uns nicht einig sind, was wir lustig finden und was nicht. Die bisherigen Studien zur Erblichkeit haben auch deshalb sehr widersprüchliche Ergebnisse erbracht. Dieser Charakterzug muss noch besser erforscht werden.“

Humor ist mehr als andere Charakterzüge kulturell bedingt. Er ist eine Frage der Vereinbarungen und Grenzen. Wenn diese fehlen, fehlen ihm seine Tabuzonen, die er angreifen will.

(Zitate aus „Die Biologie der Seele“, ZEIT WISSEN 06 2009)

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Komplexes Gebilde

Das Gehirn eines Fötus „gebiert pro Minute 250 000 neue Nervenzellen. Und pro Sekunde knüpft es 1,8 Millionen neue Verbindungen zwischen diesen Neuronen. Ein erwachsenes Hirn besteht schließlich aus etwa 100 Milliarden Neuronen, jedes einzelne kommuniziert im Schnitt mit 10 000 anderen, und die Signalmuster ändern sich im Takt von Millisekunden. Die menschliche Psyche wohnt im wohl komplexesten Gebilde des Universums“.

(Ulrich Bahnsen)

Es besteht die Möglichkeit, diese 100 Milliarden Neuronen von Zeit zu Zeit zu benutzen. Von unseren Politikern kann man das allerdings nach Stand der Dinge nicht mehr verlangen.

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Historische Definitionen mit aktuellem Bezug

sozialistische Nation
Durch die sozialistische Revolution und den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft gestaltet sie [die Arbeiterklasse; heute: die Einheitsfront der Unterdrückten, d. Verf.] die Existenzgrundlagen der Nation um, gibt ihr einen neuen Inhalt und schafft damit einen qualitativ höheren Typ der nationalen Gemeinschaft, die sozialistische Nation. Bei dieser Umgestaltung bleibt die ethnische Grundlage der Nation im wesentlichen erhalten (Sprache, Beziehung zum Territorium, spezifische Besonderheiten der Kultur und der Sozialpsyche, Sitten, Gebräuche, Lebensgewohnheiten), während sich die soziale Natur der Nation grundlegend verändert (ökonomische und politische Beziehungen, Sozialstruktur, Inhalt der Kultur und Ideologie). Die sozialistische Nation beruht auf der sozialistischen Produktionsweise. Sie kennt keine Klassenantagonismen, sondern ist durch eine wachsende politisch-moralische Einheit des Volkes gekennzeichnet […] Die sozialistische Nation gewinnt zugleich ein neues Verhältnis zu den anderen Nationen. Wenn für die Beziehungen zwischen den kapitalistischen Nationen Feindschaft, Streben nach Unterdrückung, Übervorteilung und Ausbeutung anderer Nationen charakteristisch sind, so werden die Beziehungen zwischen den sozialistischen Nationen durch die Prinzipien [der Völkerfreundschaft, d. Verf.] bestimmt. [...] Bürgerlich-kosmopolitische Vorstellungen von der Schaffung eines übernationalen „Weltstaates“ haben mit der [...] Theorie [...] nichts gemein. Sie spielen nur dem Imperialismus in die Hände und richten sich objektiv gegen die freie Entwicklung der sozialistischen Nationen und der national befreiten Staaten.

Nationalbewußtsein
Zusammenfassende Bezeichnung für die Inhalte des gesellschaftlichen Bewußtseins, welche die ‚Existenzbedingungen, die geschichtliche Entwicklung, die aktuelle Situation und die hieraus erwachsenden wesentlichen Aufgaben einer Nation vom Standpunkt einer bestimmten Klasse widerspiegeln. Das Nationalbewußtsein ist keine besondere Form des gesellschaftlichen Bewußtseins, sondern existiert im weltanschaulichen, politischen, moralischen und ästhetischen Bewußtsein und vermittels dieser Bewußtseinsformen. Da an die Existenz von Nationen gebunden, hat sich ein entwickeltes Nationalbewußtsein erst mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft und der hierauf beruhenden kapitalistischen Nation herausgebildet, obwohl einzelne seiner Elemente bereits eine längere Geschichte besitzen. Das Nationalbewußtsein ist nicht klassenindifferent, es hat Klassencharakter, da es immer durch die Beziehungen einer bestimmten Klasse zur Nation und durch die Interessen dieser Klasse geprägt wird. Das Nationalbewußtsein äußert sich im allgemeinen in dem Bewußtsein, einer Nation zuzugehören, mit ihr verbunden zu sein, in der Bereitschaft und dem Willen, die Rechte und Interessen dieser Nation zu verteidigen und zu ihrer Entwicklung beizutragen, im Stolz auf die Leistungen und Errungenschaften der Nation, wobei die verschiedenen Klassen unterschiedliche Auffassungen hierüber besitzen.

nationale Frage
zusammenfassende Bezeichnung für den Komplex von Fragen des gesellschaftlichen Lebens, der die Entwicklungsbedingungen der Nation, die Rechte und die Beziehungen der Nationen zueinander sowie der nationalen Gruppen innerhalb eines multinationalen Staates umfaßt. Die nationale Frage entsteht mit der Herausbildung der Nation als Struktur- und Entwicklungsform der Gesellschaft, umfaßt solche Momente des gesellschaftlichen Lebens wie nationale Unabhängigkeit, Selbstbestimmung der Nationen, nationale Einheit, nationale Gleichberechtigung, Beseitigung nationaler Unterdrückung und nationaler Privilegien und wird in ihrem Inhalt jeweils durch die grundlegenden sozialen Prozesse der Epoche bestimmt. Die nationale Frage ist stets eine Klassenfrage. Sie steht im engsten Zusammenhang mit dem Kampf um die Lösung von Grundproblemen des gesellschaftlichen Fortschritts, so daß nationale Bewegungen immer mit den revolutionären Bewegungen ihrer Epoche verbunden sind […] In den imperialistischen Ländern selbst geraten die herrschenden Kreise des Monopolkapitals immer mehr in Gegensatz zur Nation und zu deren Interessen, so daß die Beseitigung der Herrschaft des Imperialismus zu einer wesentlichen Voraussetzung für die Lösung der nationalen Frage wird […] So ist die nationale Frage in unserer Epoche untrennbar mit dem Kampf gegen den Imperialismus und dem […] Übergang zum Sozialismus verbunden. Im Sozialismus ergeben sich völlig neue Probleme der Entwicklung der Nation. Ihr Hauptinhalt besteht darin, die nationalen Traditionen und Besonderheiten so zu nutzen, daß sie zu Triebkräften für die schnelle Entwicklung der Produktivkräfte und die Festigung der sozialistischen Produktionsverhältnisse werden. Auf diesem Wege und auf dem Wege der Gemeinsamkeit der Gesellschaftsordnung festigt sich die ökonomische, wissenschaftliche, technische und kulturelle Zusammenarbeit der sozialistischen Länder. [...]

Nationalisierung
Überführung von Produktionsmitteln (Betriebe, Grund und Boden usw.) aus dem Eigentum einzelner Personen und Körperschaften in staatliches Eigentum. Der Charakter der Nationalisierung hängt vom Wesen des jeweiligen Staates ab. Die Nationalisierung kann entschädigungslos oder gegen Entgelt erfolgen. Die kapitalistische Nationalisierung besteht in der Überführung privatkapitalistischer Unternehmen, z. T. auch ganzer Industriezweige, in das Eigentum des bürgerlichen Staates, meist gegen hohe finanzielle Abfindungen. Zumeist handelt es sich um unrentable, nicht mehr konkurrenzfähige Betriebe und Wirtschaftszweige. Vielfach werden diese Einrichtungen nach ihrer mit Staatsmitteln erfolgten Modernisierung zu niedrigen Preisen wieder an die Unternehmer zurückgegeben (Reprivatisierung), wodurch die Kapitalisten und ihre Vereinigungen an der Nationalisierung und auch an der Reprivatisierung profitieren. Auch militärisch-strategische Überlegungen können zur Nationalisierung führen. Im allgemeinen ist die Monopolbourgeoisie an großen Nationalisierungen nicht interessiert. Und betreibt immer wieder die Reprivatisierung. Durch die kapitalistische Nationalisierung wird die Ausbeutung der Werktätigen nicht beseitigt und der Charakter der kapitalistischen Ordnung insgesamt nicht angetastet. Dennoch kämpft die Arbeiterklasse für die Nationalisierung bestimmter Schlüsselindustrien und –unternehmen als eine Möglichkeit, z. B. über die Mitbestimmung der Arbeiter Schritte zur Einschränkung der Macht der Monopole einzuleiten. Die Mitbestimmung erfüllt jedoch nur dann ihre Aufgaben im Interesse der Arbeiterklasse, wenn sie die Zurückdrängung der Macht der Monopole und schließlich ihre Überwindung zum Ziel hat. Die Nationalisierung bietet auch günstige Voraussetzungen für die Schaffung des sozialistischen Eigentums, weil bereits ein hoher Grad der Vergesellschaftung der Produktionsmittel erreicht ist und die Arbeiterklasse nach Beseitigung des kapitalistischen Staates diese Betriebe relativ leicht in Volkseigentum überführen kann.
Die Nationalisierung in den national befreiten Ländern erfaßt vorwiegend die Unternehmen des ausländischen Monopolkapitals und der mit ihm verflochtenen einheimischen Großbourgeoisie sowie teilweise auch die Ländereien der Feudalherren. Sie ist von großer Bedeutung für die Entwicklung einer unabhängigen Wirtschaft dieser Länder. Ihr Charakter wird wesentlich durch die sozialökonomische Entwicklungsrichtung dieser Staaten bestimmt.
Die sozialistische Nationalisierung ist die revolutionäre Beseitigung des Eigentums der Ausbeuterklasse an den wichtigsten Produktionsmitteln durch die sozialistische Staatsmacht und die Überführung der kapitalistischen Unternehmen in staatliches sozialistisches Eigentum (Volkseigentum). Sie beginnt mit der Übernahme der ökonomischen Schlüsselpositionen, wie der Grundstoff- und der Schwerindustrie, des Transport- und Nachrichtenwesens, der Banken und des Außenhandels. Mit der sozialistischen Nationalisierung wird die ökonomische Grundlage der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt.

Nationalkultur
Historische Entwicklungsform der Kultur in nationalen Gemeinschaften […] Die sozialistischen Nationalkulturen entstehen im Prozeß der sozialistischen Kulturrevolution. Historisch neuartige Momente der nationalkulturellen Entwicklung im Sozialismus sind: die Überwindung des Antagonismus der kulturellen Entwicklung durch die Beseitigung des Gegensatzes zwischen herrschender Kultur und Kultur der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen; die aktive und bewußte Beziehung der kulturellen Entwicklung auf das Kulturerbe der eigenen Nation und der Leistungen der Weltkultur; die Prozesse der Annäherung und neuartiger Differenzierung im kulturellen Verhalten der sozialen Klassen und Schichten im Sozialismus […] Die Umwandlung der bürgerlichen Nationalkultur in eine sozialistische Nationalkultur ist Bestandteil der Konstituierung der sozialistischen Nation. In Wechselbeziehung mit den sozialökonomischen und politischen Verhältnissen entwickelt sich die nationale Psyche und Mentalität weiter, fördert das Nationalbewußtsein und überwindet zählebige Traditionen des bürgerlichen Nationalismus und Egoismus. Mit der Ausprägung sozialistischer Lebensweise, der Veränderung von Denk- und Verhaltensweisen, Sitten und Lebensgewohnheiten, Idealen und Wertvorstellungen erhält das Ethos eine neue Sinn- und Inhaltserfüllung. [...] Der politische und soziale Inhalt des Patriotismus und der sozialistischen deutschen Nationalkultur bezieht sich auf historischen Platz und revolutionäre Aufgaben, auf Geschichte und Errungenschaften des Landes und des Staates […] und ist zugleich Ausdruck der unantastbaren Souveränität und territorialen Integrität des Heimatlandes […] Die Kultur verleiht den Angehörigen der sozialistischen Nationen ein lebendiges Gefühl der Zusammengehörigkeit, sie schafft ein Bewußtsein der nationalen Identität, das frei ist von nationaler Überheblichkeit und Vorurteilen gegenüber anderen Völkern und Nationen. Die Entwicklung der sozialistischen deutschen Nationalkultur hat wesentlichen Anteil an der Festigung der kulturellen Identität ihrer Bürger. Das schließt die Entdeckung und Wahrung der historischen und kulturellen Traditionen der Nation, die Entwicklung der nationalen Identität und Psyche auf neuen sozialökonomischen Grundlagen, die Möglichkeit der Ausbildung eines sozial einheitlichen Nationalcharakters, die Pflege der Nationalsprache und der nationalen Künste ein. Zur Entwicklung kultureller Identität und zur Förderung nationalen Selbstbewußtseins in Gegenwart und Zukunft gehört die Fähigkeit, die wissenschaftlich-technische Revolution zu meistern, ihre Ergebnisse für die Erhöhung des Lebensniveaus und der Persönlichkeitsentwicklung aller Mitglieder der Gesellschaft einzusetzen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der nationalen Forschung, Entwicklung und Produktion wie die durch internationalen Austausch und weltweite Kommunikation ins Land gelangenden Produkte „fremder Klimate und Länder“. Nationalbewußtsein und Heimatverbundenheit können wirksam gefördert werden, indem die soziale und emotionale Bindung der Menschen an die heimatliche Landschaft, an die Region, in der sie leben, in die nationalkulturelle Entwicklung einbezogen werden. Neben den nationalen Traditionen kommt der Ausbildung regionaler Besonderheiten, der Beachtung und Nutzung regionaler Unterschiede in Umwelt und Lebensweise wie auch den regionalen Besonderheiten in der Mentalität und Psyche der Bevölkerung besondere Bedeutung zu. Regionale Bezüge in den kulturellen Angeboten, die geschichtliche und natürliche Spezifika der jeweiligen Stadt, des Dorfs, der Landschaft berücksichtigen, haben sich bewährt und sind weiter auszubauen, um die Vielfalt, Farbigkeit und Volksverbundenheit der sozialistischen Nationalkultur kräftig zu entfalten.

Nationalreichtum
Gesamtheit der materiellen und geistigen Güter, über die eine Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügt. Der Nationalreichtum ist, in Abhängigkeit von den Produktionsverhältnissen, Eigentum der gesamten Gesellschaft oder einzelner Klassen, Gruppen oder Personen. Der Nationalreichtum spiegelt die Ergebnisse der gesamten vorhergehenden Entwicklung der Gesellschaft wider. Zum Nationalreichtum gehören das Volksvermögen (d. h. alle materiellen Güter, die durch die Arbeit des Menschen geschaffen wurden), alle erschließbaren natürlichen Ressourcen (Bodenschätze, Wälder, Wasserkräfte, bearbeitete und zur Bearbeitung geeignete Böden usw.), im weiteren Sinne auch die Produktionserfahrungen, die Kenntnisse und die Qualifikation der Arbeitskräfte, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und die Werke der Kunst. Im Gegensatz zum Kapitalismus, in dem der überwiegende Teil des Nationalreichtums den Ausbeuterklassen gehört, ist im Sozialismus das Privateigentum an den Produktionsmitteln beseitigt, der Nationalreichtum gehört dem werktätigen Volk.

Vgl. Kleines Politisches Wörterbuch, Berlin 1988

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