Der Sturz in die Freiheit

Am 9. April 2003 wurde die Statue des irakischen Diktators Saddam Hussein vom Sockel gestürzt. Das geschah in einer besonders medienwirksamen Art und Weise und wurde deshalb auch von zahlreichen internationalen Kameras begleitet. Die nach 1945 neue und seit 1989 am liebsten alleinige Großmacht USA ließ ihre Soldaten dem Abbild Husseins eine Schlinge um den Hals legen (wie die Welt weiß: später geschah das auch mit dem Original) und verhüllte seinen Kopf mit der amerikanischen Flagge. Etwas zuviel der fremden Symbolik, wurde diese aber noch vor dem Sturz des Standbilds durch eine irakische ersetzt. Ein Fahrzeug der Marines sorgte dann für den nötigen Nachdruck, und das Symbol der vergangenen Herrschaft stürzte in den Staub.
Die Invasion der USA brachte dem irakischen Volk im Anschluß selbstlos Liebe, Frieden und Demokratie. Und damit diese Segnungen der westlichen Welt auch richtig im Land ankommen, sorgen nach ND-Angaben vom 9. April dieses Jahres heute immer noch 50 000 US-Soldaten und etwa 100 000 Angestellte privater Sicherheitsfirmen für deren Verankerung. Die US-amerikanische Nase wird immer goldener angesichts ihrer Aufgabe der Ermöglichung und Verteidigung von wirtschaftlichen Unternehmungen bisher nicht gekannten Ausmaßes, und so ein Ölbad soll auch sehr heilsam sein bei allen Arten finanzieller Wehwechen. Neu sind auch weitere demokratische Strukturen wie die Abschottung ganzer Stadtteile Bagdads voneinander und ihre Umgestaltung zu Hochsicherheitstrakten aus Angst vor Anschlägen. Sauberes Wasser und gesunde Nahrungsmittel sind mittlerweile Mangelware, aber wenn man dafür nunmehr ein freies Land ist, sollte das nicht ins Gewicht fallen. Strom gibt es selten, in Krankenhäusern muss man sich anders behelfen. Vielleicht wird ja so die postulierte Kreativität in der Marktwirtschaft gefördert. Aufgrund des Einsatzes demokratischer Waffen mit abgereichertem Uran während der Belagerung von Bagdad im Jahr 2004 weisen 25 Prozent der Neugeborenen Abnormalitäten auf. Spätestens hier kann man erkennen, wie die Menschen sich ändern, wenn sie mit solchen Mitteln von ihrem menschenverachtenden Diktator befreit werden.

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